Friedrich List

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Fragen Sie doch mal jemanden, wer Friedrich List war. „Irgend so ein Komponist,“ ist sicher neben „Weiß ich doch nicht“ die häufigste Antwort. Und selbst die erste Antwort ist natürlich falsch. Denn erstens heißt der Komponist nicht Friedrich, sondern Franz, und zweitens schreibt er sich mit s und z, also „Liszt“. Und außerdem wurde er als Ungar geboren.

Friedrich List dagegen ist im August des Jahres der französischen Revolution, also 1789, in Reutlingen geboren worden. Das ist lange her. Warum sollte sich ein kaufmännisches Berufskolleg des 21. Jahrhunderts ausgerechnet so ein „Altertümchen“ zum Namensgeber wählen?

Der Gründe gibt es viele:

Erstens war er der Sohn eines Handwerkers, der sich mit Fleiß und Selbstständigkeit (wir schreiben das Ende des 18. Jahrhunderts) gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse vom Auszubildenden für die Gerberei für den Verwaltungsdienst entschied und in kurzer Zeit zum Steuer- und Güterbuchcommissär aufstieg, dann zum Oberrevisor und schließlich wurde er 1817 zum Professor ernannt. Diese Durchsetzungskraft wünschen wir auch unseren Schülerinnen/Schülern und Auszubildenden.

Zweitens erkannte List, dass die liberalistische Wirtschaftssicht von Adam Smith, einem englischen Wirtschaftstheoretiker, den Menschen nicht nur nützt, sondern auch schaden kann. Deshalb verlangte er zwar als liberalen Akt die Aufhebung der 35 innerdeutschen Zollgrenzen (zwischen den einzelnen Fürstentümern), aber einen Schutz Deutschlands vor den Importen aus England, denn England war in der industriellen Entwicklung schon weiter. Es sollte aber nur ein „Erziehungszoll“ sein bis Deutschland den Entwicklungsvorsprung Englands aufgeholt hatte. Solche Überlegungen sind für unsere Schülerinnen/Schüler und Auszubildenden im Zeitalter der Globalisierung wieder  relevant und brauchen eine Stellungnahme.

Drittens erkannte List die Bedeutung der Erfindung der Eisenbahn. (Die erste in Deutschland fuhr 1835). List sah darin ein Mittel der Mobilität, das der Wirtschaft und den Menschen nutzen kann. Er entwickelte ein Schienennetz für Deutschland, das in seinen Grundzügen so noch heute besteht. Diese Weitsicht, Innovationskraft und Kreativität wünschen wir auch für unsere Schülerinnen/Schüler und Auszubildenden.

Viertens wurde List 1819 Abgeordneter für den Württembergischen Landtag. Als solcher setzte er sich für die Bürgerrechte ein und gegen die Allmacht der Bürokratie. Er postulierte damals schon, dass Beamte den Bürgerinnen und Bürgern dienen sollten und es auf keinen Fall ihre Aufgabe  sei, die Bürger als staatsgefährdende  Untertanen zu bekämpfen. Dieses politische Engagement, das sich gegen Macht über Menschen und gegen staatsbeherrschende Einflüsse der Bürokratie richtet, wünschen wir auch für unsere Schülerinnen/Schüler und Auszubildenden.

Erinnern Sie sich? List war der Sohn eines Handwerkers und lebte in einer Zeit, in der Fürsten noch z.T. als gottgegebene Herrscher angesehen wurden. Um so höher ist der Wert seiner Überlegungen und praktischen Tätigkeiten einzuschätzen, die hier nur angedeutet werden können.  Aber es dürfte offensichtlich sein, dass er in seiner Zeit nicht nur Förderer, sondern auch erbitterte  Gegner hatte, die seinen fortschrittlichen liberalen Ideen nicht folgen wollten oder konnten, sondern versuchten, ihm das Leben schwer zu machen, und die ihn - wo es nur ging - schlecht machten.

Auch privat hatte er nicht nur Glück: Sein einziger Sohn starb als Soldat in der Fremdenlegion. Sein ideelles Engagement hat auch alle seine finanziellen Mittel gekostet. 1846 waren seine physischen und psychischen Kräfte aufgebraucht: Er beging in Kufstein Selbstmord.

Unsere Schülerinnen/Schüler und Auszubildenden mögen daran erkennen, dass sie auch in Zeiten, wenn nicht alles nach Wunsch läuft, versuchen sollten, Wege zu finden, die weiterführen. Mit List starb ein vorausschauender, der Macht misstrauender, kreativer Entwickler der Gesellschaft.